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Vorteile und Nachteile des Method Actings

Hier zähle ich zuerst einmal knapp die Vor- und Nachteile des Method Actings(MA) auf.

Anschließend werde ich diese detailiert anhand seines Entstehungsprozesses erläutern.

Inhaltsverzeichnis

Vorteile: Bearbeiten

- MA ermöglicht es reale Gefühle auf der Bühne oder vor der Kamera zu erleben und dadurch so glaubwürdig/authentisch zu sein, wie reale Menschen in realen Situationen.

- modernes MA nach Eric Morris ist eine extrem zuverlässige Schauspieltechnik, die in ihrer Qualität wiederholbare, aber denoch lebendige Ergebnisse liefert (vorrausgesetzt man beherrscht die Technik).

- modernes MA ist von jedem psychisch gesunden Menschen erlernbar, da jeder Mensch in der Lage ist Gefühle wie Liebe, Freude, Geborgenheit, Angst, Hass und Trauer zu empfinden und (mit evtl. etwas Übung) auch auszudrücken.

- im modernen MA ist die Frage nach dem "Talent" eines Menschen sehr nachrangig, da fast jeder bestimmte Gefühle hat, die er im Alltag häufig erlebt und ausdrückt (für diese hat er/sie dann "Talent"), während er/sie andere Gefühle aus sozialen Gründen oder aus Gewohnheit eher verdrängt oder zurück hält (für diese ist er/sie dann eher "untalentiert")

- MA trainiert die Fähigkeit mit seinen Mitmenschen und den eigenen Gefühlen umzugehen, sie zu kontrollieren.

- MA kann zurecht von sich behaupten, die erfolgreichste Schauspielmethode Hollywoods zu sein, da enorm viele erfolgreiche und bekannte Schauspieler MA-Vertreter sind. Um hier nur ein paar zu nennen: Robert De Niro, Dustin Hoffman, Al Pacino, Marilyn Monroe, Angelina Jolie,James Dean, Dennis Hopper, Sean Penn, Marlon Brando, Burt Young, Geraldine Page, Paul Newman, Kim Stanley, Jane Fonda, Eli Wallach, Eva Marie Saint, Jill Clayburgh, Ellen Burstyn, Gene Wilder, Steve McQueen, ... u.v.a. ...

Nachteile: Bearbeiten

- MA ist sehr vorbereitungs- und trainingsintensiv. Auf jede neue Szene muss man sich auch nach jahrelangem Training noch geduldig und diszipliniert vorbereiten.

- modernes MA so gut zu erlernen, dass man selbstständig komplexe Szenen mit schwierigem Text erarbeiten kann, dauert viele Jahre, je nach Lernaufwand meist ca. 3-6(ganz einfach deshalb, weil die Technik so komplex ist).

- MA erfordert eine enorme Bereitschaft, sich mit seinem eigen Leben, seinen Mitmenschen und mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Man muss bereit sein sehr viel ehrliches Feedback von anderen Menschen emotional an sich heranzulassen, das aufgrund seiner ehrlichen "unzensierten" Art manchmal sehr verletzend sein kann.

- man muss lernen, sich ein erfüllendes, emotional abwechslungsreiches Privatleben aufzubauen, da dies die Quelle für die eigenen emotionalen Fähigkeiten und das notwendige Selbstwertgefühlbildet.

- im modernen MA muss man sich ganz von der Vorstellung lösen, jemand anders zu werden: Man ist immer man ganz man selbst , lediglich die emotionalen und körperlichen Umstände ändern sich (wenn man Hamlet spielt, wird man nicht Hamlet, sondern man ist immer ganz man selbst, lediglich die emotionale Qualität, die man erlebt gleicht der von Hamlet)

Warum gibt es überhaupt Method Acting? Bearbeiten

Am Anfang stellt sich natürlich die Frage: "Warum braucht man überhaupt ein komplexes Schauspielsystem wie das Method Acting? Warum spielt man nicht einfach drauf los und vertraut auf sein "Talent"? Warum soll man sich die ganze Arbeit überhaupt antun?"


Die Antworten auf diese Fragen hängen sehr stark davon ab, was man mit dem Schauspiel überhaupt erreichen will.


Als Lee Strasberg in den 40er, 50er Jahren des 20. Jahrhunderts seine Version des Method Actings entwickelte, hatte er dabei folgende Ziele:

1. Er wollte einen Weg finden, um es Schauspielern zu ermöglichen ihr Publikum emotional zu berühren. Die Zuschauer sollten die Gefühle der Schauspieler instinktiv für real und authentisch halten. Und zwar ohne viel darüber nachzudenken. Die Schauspieler sollten in der Lage sein Mitgefühl und Empathie bei ihrem Publikum auszulösen.

2. Die Schauspieler sollten in der Lage sein, zielgenau die emotionalen Erfordernisse einer Szene oder eines Regisseurs erfüllen zu können, auch wenn sie selbst gerade nicht in einer Stimmung waren, die diesen Erfordernissen entsprach.

3. Die Methode, mit der die Schauspieler dies erreichen sollten, sollte zuverlässig und wiederholbar funktionieren, auch unter den Stressbedingungen, die auf einer Theaterbühne oder an einem Filmset herrschen. --> Erst dadurch würde diese Schauspielmethode professionell verwertbar werden.

4. Diese Schauspielmethode sollte von einer möglichst breiten Masse von Menschen erlernbar sein. Strasberg wollte wissen, welche Faktoren es sind, die das "Talent" besonders natürlicher Schauspieler ausmachen.


Strasberg stand nun also vor demselben Problem, dass der französische Autor Diderot bereits im 18. Jh. in seiner Encyclopédie benannte:

"Wie kann es ein Schauspieler schaffen einerseits authentisch zu sein und seinen Zuschauern einen "aufrichtigen Blick in seine Seele" zu gewähren, während ihm andererseits zur gleichen Zeit von außen vorgeschrieben wird, was er in einer Szene tun und welche Gefühle er dabei haben soll? Wie kann es ein Schauspieler zuverlässig schaffen, die emotionalen Gegebenheiten einer Szene zu erfüllen, ohne sich dabei verstellen zu müssen?"

Bereits in den 30er Jahren, währnd seiner Zeit beim Group Theatre[1] suchte Strasberg nach Antworten auf diese Fragen.

Die Antwort, die ihm am vielversprechensten erschient, liegt genau so nahe, wie sie komplex ist:

Der Schauspieler muss einen Weg finden, die genau die Gefühle real selbst zu empfinden, die die Szene und der Regisseur von ihm verlangen.


Doch wie sollte das nun funktionieren? Haben Sie einmal versucht, sich glücklich zu fühlen, als sie eigentlich komplett traurig waren? Oder haben sie einmal versucht sich komplett angenommen und geborgen zu fühlen, als Sie sich eigentlich total unsicher oder einsam fühlten?

Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, dass dies keine besonders einfache Aufgabe ist.


Strasberg beschloß die Suche nach einer Lösung dieses Problems dort fortzusetzen, wo sein Vorgänger Stanislavski beinahe verzweifelt war:

Beim affektiven Gedächtnis.

Sowohl Strasberg, als auch Stanislavski gingen von der Annahme aus, dass die Erinnerung an ein vergangenes Ereignis in irgendeiner Weise mit den damals erlebten Emotionen verknüpft ist und dass man es schaffen kann, diese durch ein erneutes Erinnern wieder wach zu rufen.

Stanislavsik ließ bereits viele Jahre vor Strasberg seine Schauspieler damit experimentieren, sich an bedeutsame vergangene Ereignisse zu erinnern. Er hoffte, dass sie dadurch die damals erlebten Emotionen wieder erleben würden.

Manchmal hatte er damit durchaus Erfolg. ... - Aber manchmal eben auch nicht. Ob ein Schauspieler in der Lage war, die Emotionen vergangener Erlebnisse wieder wach zu rufen, hing sehr stark von seiner gegenwärtigen Stimmung und auch sehr stark von seinem "Talent" ab.

Stanilavski konnte dieses Problem nicht lösen und nach langen Jahren des frutrierenden experimentierens mit dem Affective Memory wandte er sich in der letzten Zeit seines Schaffens ganz davon ab.

- Der damals viel jüngere und hochmotivierte Strasberg, wollte jedoch nicht aufgeben dieses Problem irgendwie in den Griff zu kriegen.

Er war anscheinend sehr ausdauernd und psychologisch sehr interessiert und er experimentierte daher verschiedensten Wahrnehmungs- und Erinnerungstechniken.

Das wohl bekannteste Ergebniss seiner Forschungsarbeit war die in Schauspielerkreisen "berühmt-berüchtigte" Technik Sense Memory.

Sie stellte einen wesentliche Verbesserung der von Stanislavski verwendeten Methode dar. Während Stanislavski seine Schüler einfach nur anwies, sich ein Erlebnis einfach nur "vorzustellen", instruierte Strasberg seine Schüler nun sich stundenlang mit ihren 5 Sinnen nach einzelnen sensorischen Details einer Vorstellung zu fragen. In konzentrierter, geduldiger Feinarbeit lernten Strasbergs Schüler nun die Geräusche wieder mit ihrem Gehörsinn zu erinnern, die sie damals hörten und die visuellen, räumlichen Details wieder mit ihrem Sehsinn zu erinnern, in einer ähnlichen Weise, wie sie sie damals sahen. Dies taten sie mit allen ihren 5 Sinnen.

Das Ergebnis dieses von Straberg entwickelten Schauspieltrainings waren u.a. Stars wie James Dean, Al Pachino, Robert DeNiro, Marilyn Monroe, Dustin Hoffman, Martin Landau, Pau Newman, Dennis Hopper, ... und, und, und ... .

Anscheinend hatten Strasbergs bemühungen Früchte getragen.

--> Das Strasberg´sche Method Acting erlangte weltweite Bekanntheit.

Die Frage, die sich nun stellt ist:

"Warum wendeten dann nicht alle Schauspieler Strasbergs Version des Method Acting an?" ... Schließlich würde ja fast jeder gern so ein bewegender Schauspieler wie Al Pachino oder Robert DeNiro sein.


Kurz nach dem weltweiten Bekannt werden des Method Actings wurde von vielen Seiten Kritik daran laut:

- Method Acting sei gefährlich, hieß es. Schließlich könnten Menschen durch die intensive Beschäftigung mit ihrer Vergangenheit alte Traumata wiedererwecken, hieß es.

- Außerdem seien Strasberg´sche Method-Schauspieler häufig nur mit sich selbst beschäftigt, hieß es. Viele von ihnen würden nur an ihre eigenen Gefühle denken und ihre Partner dabei vollständig vergessen, hieß es. (besonders Sanford Meisner[2] kritisierte dies)

- Und zu guter letzt gab es auch noch beachtlich viele Schauspieler, bei denen Strasberg Schauspieltechniken einfach nicht funktionieren wollten. Sie konnten noch so lange Sense Memory üben, aber anscheinend waren sie nicht dafür gemacht. Anscheinend fehlte es ihnen an "Talent" dafür, ihre einst erlebten Emotionen in stundenlanger sensorischer Feinarbeit wieder wach zu rufen.

All dies führte dazu, dass der Großteil der Schauspiel-interessierten Welt sich sehr schnell wieder von Strasbergs Techniken abwandt.

Anscheinend hatten große Schauspieler wie Robert DeNiro und Dustin Hoffman doch einfach nur "Talent", oder? ... Wahrscheinlich hätten sie auch mit jeder anderen Schauspieltechnik ihren großen Erfolg gehabt, oder? ...

Einer dieser frustrierten Method Acting-Schüler war Eric Morris[3]. Er war Schüler in einer Schauspielklasse von Martin Landau, einem von Strasbergs ersten Schülern. Lange Jahre studierte Eric Morris Strasbergs Techniken, und irgendwie war es wie verhext: Manchmal funktionierten die Techniken wie Sense Memory bei ihm, ... - und manchmal schienen sie überhaupt nichts in ihm auszulösen. Eric konnte seine Schauspieltechnik und damit auch seine nicht zuverlässig kontrollieren, obwohl er immer und immer wieder das tat, was seine Lehrer und Kollegen ihm sagten. ... Nach einigen Jahren des Trainings in Strasbergs Techniken war Eric voll von Selbstzweifeln und depressiven Gefühlen.

... Doch Eric Morris war anscheinend kein Mann, der einfach so aufgeben wollte. Ebenso wie Strasberg in seinen jungen Jahren, war Eric hoch motiviert, jung, dynamiasch, wissbegierig und extrem experimentierfreudig.

Im Laufe der Jahre entdeckte Eric den Hauptgrund dafür, dass er und viele seiner Kollegen so große Probleme mit Strasbergs Techniken hatten:

Die Art, wie wir auf die Wahrnehmungsreize in unserer Umwelt und in unserer Vorstellung reagieren, hängt in extremen Maße von unserem gegenwärtigen emotionalen und körperlichen Zustand ab.

Ob und wie wir in der Lage sind, emotional auf eine Erinnerung oder einen Umgebungsreiz zu reagieren, hängt u.a. davon ab, ob es uns im Moment gut oder schlecht geht, ob wir Ängste haben nicht gut genug zu sein oder ob wir selbstsicher sind, uns unserer gegenwärtigen Gefühle, Gedanken und unserer Umgebung bewusst sind, oder nicht, ... usw. ...

Kurz gesagt:

Erics Idee war es, verschiedene Übungen zu entwickeln, mit denen wir die Hindernisse und Blockaden eliminieren können, die uns daran hindern emotional berührbar und einfühlsam auf unsere Umwelt und unsere Vorstellungen zu reagieren.

Wenn Strasbergs Techniken also eine Art Vorbereitung auf eine Schauspielszene darstellten, so sollten Erics Übungen nun eine Vorbereitung auf die Vorbereitungsübungen darstellen.

Im Laufe der 70er, 80er und 90er Jahre entwickelte Eric Morris eine Vielzahl von emotionalen Übungen und Schauspieltechniken, die dem Zweck dienen, Ängste, Verspannungen und Blockaden, welche einen Menschen daran hindern angemessen emotional auf reale, erinnerte und vorgestellte Wahrnehmungen zu reagieren.

Er entwickelte Strasbergs Sense Memory weiter und sammelte verschiedenste Übungen und Techniken zusammen, u.a. aus der Psychologie und der Psychotherapie, von Sanford Meisner und aus so ziemlich allem, was irgendwie reale Gefühle in einem Menschen auslösen kann.

Alles in allem ergeben diese Übungen ein sehr umfasendes Schauspielsystem, was Eric sehr detailiert in seinen bisher 6 Büchern beschrieben hat(siehe hier [4]).

Zu Erics vielne erfolgreichen Schülern zählen u.a. Jack Nicholson (Eric coachte ihn für "Einer flog über das Kuckucksnest"), Johnny Depp, Sally Kirkland und Arnold Schwarzenegger. [5]

Derzeit stellt Erics Schauspielsystem das komplexeste in Büchern veröffentlichte Method Acting-System dar.

Ich studiere es derzeit seit ca. 4 Jahre und meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass jeder geistig einigermaßen gesunde Mensch in der Lage ist, diese Schauspieltechnik zu erlernen, da jeder normale erwachsene Mensch Gefühle wie Liebe, Freude, Angst, Hass und Trauer aus seinem eigenen Leben kennt und mit etwas Training die Fähigkeit erlangen kann, diese auch auszudrücken.

Allerdings setzt dies die Bereitschaft vorraus, sich intensiv mit den eigenen Gefühlen, dem eigenen Leben, sowie den eigenen Stärken und Schwächen auseinander zu setzen. Außerdem muss man bereits sein mehrere Jahre geduldigen Trainings zu investieren, da die menschlichen Gefühle und dem entsprechend die dazu entwickelten Übungen ziemlich komplex sind.

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